Studie zu Bau des Hafens von Granadilla auf Teneriffa veröffentlicht: Autoren bezeichnen Projekt als „nutzlos und unnötig“

Studie zu Bau des Hafens von Granadilla auf Teneriffa veröffentlicht: Autoren bezeichnen Projekt als „nutzlos und unnötig“

Forscher der Universität Leipzig und der spanischen Universität La Laguna haben sich in einer Studie mit den Veränderungen in der Natur und den sozialen Bewegungen im Zusammenhang mit dem Bau des Hafens von Granadilla auf Teneriffa befasst. Sie kamen darin zu dem Schluss, dass der Bau an der Küste von Granadilla de Abona, der jahrelang einen massiven sozialen Konflikt auf der Insel Teneriffa bewirkt hatte, „nutzlos und unnötig“ war. Die Ergebnisse ihrer Studie haben sie kürzlich in der Zeitschrift "Territory, Politics, Governance" unter der Überschrift "Kämpfe im Hafen von Granadilla: Verteidigung des Rechts auf Natur" veröffentlicht.

Dr. Alejandro Armas-Diaz Foto: Privat

Der umstrittene Bau wurde in den 1970er Jahren geplant und vor knapp zwei Jahren eingeweiht. Die Autoren, Dr. Alejandro Armas-Díaz von der Universität Leipzig, und Fernando Sabaté Bel von der Universität La Laguna, schrieben in ihrem Artikel, dass der Hafen „beispielhaft für eine Politik exzessiven Immobilienwachstums und die Förderung großer Infrastrukturen“ sei, die seit den neunziger Jahren prägend für Spanien sind. Zusätzlich zu den außerordentlichen wirtschaftlichen Kosten sei die Errichtung des Industriehafens auch mit gravierenden Umweltauswirkungen verbunden. Dies betreffe nicht nur die unmittelbare Zerstörung lokaler Ökosysteme, sondern ergebe sich auch aus einer politisch intendierten Anpassung von Naturschutzbestimmungen auf den Kanaren, wie die Untersuchung zeigt.

Armas-Díaz und Sabaté Bel sind der Ansicht, dass in dieser Region der Kanarischen Inseln Änderungen in der Naturschutzpolitik in den Dienst intensiver Urbanisierungsprozesse und der Entwicklung großer Infrastrukturen gestellt wurden. Die Analyse des Hafens von Granadilla veranschauliche solche Veränderungen. Die beiden Forscher erhielten ihre Informationen unter anderem in Interviews mit dem ehemaligen Präsidenten der Hafenbehörde und dem ehemaligen Bürgermeister von Santa Cruz de Tenerife sowie in Gesprächen mit Umweltaktivisten. Zudem nahmen sie an Treffen, Demonstrationen und Begegnungen mit Umweltgruppen teil. Darüber hinaus werteten sie Presseberichte, amtliche Bekanntmachungen sowie Gutachten des Umweltobservatoriums des Hafens von Granadilla aus. 
 
Die Forschungsergebnisse spiegeln damit ähnliche Fälle aus anderen europäischen Regionen wider. Gleichzeitig ist eine Besonderheit der Untersuchung jedoch, dass sie die Relevanz sozialer Mobilisierung im Kampf gegen die Zerstörung der natürlichen Ressourcen auf der Insel hervorhebt.
 
Referenz:
A. Armas-Díaz, F. Sabaté-Bel
Struggles on the Port of Granadilla: Defending the Right to Nature
Territory, Politics, Governance (2020)

Quelle:
Pressemittelung Universität Leipzig

Weitere Informationen:
Dr. Alejandro Armas-Díaz
Institut für Geographie
Tel.: + 49 (0) 341 97-32 974
E-Mail

 

letzte Änderung: 16.07.2020