Meteorologische Forschungen in Leipzig lassen sich fast fünf Jahrhunderte zurückverfolgen. Wetteraufzeichnungen mit einfachen Messgeräten bestimmten die Forschung im 17. und 18. Jahrhundert. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts rückten wissenschaftliche Beschreibungen in den Fokus der Forschung, die bis heute im Leipziger Institut für Meteorologie fortgeführt werden

Erste synoptische Wetterkarte von H. W. Brandes mit Darstellung der Luftdruckabweichungen am 24.12.1821, 6 Uhr abends. Aus: H. W. Brandes, De Repentinis Variationibus in Pressione Atmosphaerae Observatis, Leipzig, 1826
Erste synoptische Wetterkarte von H. W. Brandes mit Darstellung der Luftdruckabweichungen am 24.12.1821, 6 Uhr abends. Aus: H. W. Brandes, De Repentinis Variationibus in Pressione Atmosphaerae Observatis, Leipzig, 1826

Die Meteorologische Forschung in Leipzig

Das Fach Meteorologie verfügte zunächst über keinen eigenen Lehrstuhl an der Universität Leipzig. Die meteorologische Forschung wurde fächerübergreifend an der Mineralogie, Astronomie, Physik und Geophysik betrieben. Mit der Gründung des Geophysikalischen Instituts am 1. Januar 1913 wurde das erste Institut für Physik der Atmosphäre in Deutschland geschaffen und die meteorologische Forschung thematisch im Geophysikalischen Institut angesiedelt. Gegenüber der früher üblichen statistischen Arbeitsweise wurde nun die Wettervorhersage mit Hilfe der theoretischen Thermo- und Hydrodynamik erstellt. In den 1920er und 1930er Jahren erlebten das Geophysikalische Institut und die daran angeschlossene Meteorologie eine Blütezeit in Leipzig. Das Fach wurde in der Öffentlichkeit bekannt durch die Teilnahme an aufsehenerregenden Forschungsreisen, wie zum Beispiel in die Arktis.

Fahrtroute des „Graf Zeppelin“ während der Arktisfahrt 1931. Aus: O. Baschin, Die Arktisfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“, Die Naturwissenschaften, 20. Jg, H. 1, 1932
Fahrtroute des „Graf Zeppelin“ während der Arktisfahrt 1931. Aus: O. Baschin, Die Arktisfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin“, Die Naturwissenschaften, 20. Jg, H. 1, 1932

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Geophysikalische Institut neu aufgebaut. Schwerpunkte in der Forschung waren zu dieser Zeit die Erforschung der Hochatmosphäre und die Geophysik, aufgefasst als Physik aller drei Erdsphären. Mit der Hochschulreform 1969 erfolgte die Schließung des Geophysikalischen Instituts und eine Verlegung des Instituts sowie des überwiegenden Teils der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Humboldt-Universität Berlin. Die meteorologische Forschung an der Universität Leipzig blieb auf die Untersuchung atmosphärischer Umweltprobleme und die Weiterführung der Forschungsarbeiten an den Observatorien Collm und Zingst beschränkt.

Messbrücke des Maritimen Observatoriums in Zingst - Dessen Gründung 1957 durch Karl Schneider-Carius diente der Verwirklichung der Gründungsidee des Geophysikalischen Instituts. Foto: M. Börngen
Messbrücke des Maritimen Observatoriums in Zingst - Dessen Gründung 1957 durch Karl Schneider-Carius diente der Verwirklichung der Gründungsidee des Geophysikalischen Instituts. Foto: Michael Börngen

Mit der Gründung eines eigenständigen Instituts für Meteorologie an der Fakultät für Physik und Geowissenschaften wurden 1992 die Meteorologen-Ausbildung und die meteorologische Forschung in Leipzig wieder aufgenommen. Mehrere Arbeitsgruppen des Leipziger Instituts für Meteorologie begannen nach 1992 aktuelle meteorologische und klimatologische Probleme zu untersuchen, überwiegend mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Europäischen Union und anderer Drittmittelgeber. Mit der Einrichtung des SFB Sonderforschungsbereich/Transregio TR 172 „Arctic Amplification: Climate relevant atmospheric and surface processes, and feedback mechanisms“ und des Schwerpunktsprogramms SPP 1294: „Atmospheric and Earth System Research with HALO“ zählt das Leipziger Institut für Meteorologie derzeit zu den renommiertesten meteorologischen Forschungseinrichtungen in Deutschland. Im Jahr 2020 wurde mit der Errichtung eines Neubaus für das Institut begonnen.

Leipziger Institut für Meteorololgie in der Stephanstraße mit Bäumen im Vordergrund. Foto: Katrin Schandert
Das ehemalige "Turmhaus", ein Nebengebäude der im Krieg zerstörten Universitätssternwarte, ist seit 1992 der Standort Instituts für Meteorologie. Foto: Katrin Schandert / Universität Leipzig

Meteorologische Forschung Im Überblick

  • 1507
    Druck Virgil Wellendarffers Decalogium – das erste Lehrbuch der Meteorologie in Leipzig
  • Beginn des 19. Jh.
    Erste synoptische Wetterkarten durch Heinrich Wilhelm Brandes (1777 – 1834)
  • 1860
    Errichtung der neuen Universitätssternwarte in der Stephanstraße 3
  • 1863
    Aufbau des sächsischen meteorologischen Beobachtungsnetzes
  • 1878
    Einrichtung eines Büros für Wetterprognosen in der Leipziger Innenstadt
  • Januar 1913
    Gründung des Geophysikalischen Instituts
  • 1931
    Polarfahrt des Luftschiffes LZ127 („Graf Zeppelin“) unter der meteorologischen Leitung des Leipziger Professors Ludwig Weickmann (1882 – 1961)
  • 1932
    Eröffnung des Geophysikalischen Observatoriums Collm
  • 1956
    Beginn der Erforschung der Hochatmosphäre am Geophysikalischen Observatorium Collm
  • 1957
    Eröffnung des Maritimen Observatoriums in Zingst durch Karl Schneider-Carius (1896 – 1959) zur Verwirklichung der Gründungsidee des Geophysikalischen Instituts, Geophysik als Physik aller drei Erdsphären zu betreiben
  • Mitte der 60er Jahre
    Aufbau der Arbeitsrichtung „Industriemeteorologie“ durch Hans Koch und Sigurd Schienbein
  • 1969
    Auflösung des Geophysikalischen Instituts im Zuge der III. Hochschulreform der DDR
  • 1974
    Einrichtung eines „Stadtobservatoriums“ auf der Spitze des Universitätshochhauses zur Untersuchung von Anomalien im Strahlungs- und Wärmehaushalt einer urbanen atmosphärischen Grenzschicht
  • 1992
    Gründung des Instituts für Troposphärenforschung e.V. (1992) unter der Leitung Peter Warnecks und später Jost Heintzenbergs
  • 1993
    Gründung des Instituts für Meteorologie an der Universität Leipzig unter Leitung Gert Tetzlaffs mit Sitz in der Stephanstraße 3
  • 1994
    Aufnahme des Studienbetriebs mit dem Diplom-Studiengang Meteorologie
  • 2006
    Einführung des Bachelorstudiengangs Meteorologie
  • 2008
    Einführung des Masterstudiengangs Meteorologie
  • 2016
    Einrichtung des SFB Sonderforschungsbereich/Transregio TR 172 „Arctic Amplification: Climate relevant atmospheric and surface processes, and feedback mechanisms“ und des Schwerpunktsprogramms SPP 1294: „Atmospheric and Earth System Research with HALO“

 

Quellen:

Michael Börngen, Geschichte der Meteorologischen Forschung in Leipzig

Werner Ehrmann und Manfred Wendisch (Hg), Geophysics and Meteorology at the University of Leipzig, Universitäts-Verlag, 2013
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